Patenschaft von Kind zu Kind

Patenschaft von Kind zu Kind

Miteinander lernen, füreinander da sein

Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland leben in Umständen, die den Start ins Leben erschweren. Das können Fluchterfahrungen sein, aber auch der soziale Hintergrund. Eine Patenschaft von Kind zu Kind hilft. Einige tausend gibt es schon, initiiert von der spendenfinanzierten Stiftung Bildung.

Patenschaft Kind zu Kind: Joel und Roya (c) ZDFtivi

Joel und Roya (c) ZDFtivi

Die Idee zur Patenschaft hatte Joel, als Roya an seine Schule kam. “Ich dachte, ich finde nie Freundinnen und Freunde”, blickt das Mädchen aus dem Iran zurück. Dann starteten die beiden eine Patenschaft von Kind zu Kind – wie bundesweit viele Kinder und Jugendliche: Sie unternehmen etwas, machen gemeinsam Hausaufgaben, lernen sich und die Lebenswelten des*r anderen kennen.

Unterstützung füreinander auf Augenhöhe, das ist die Grundlage für die Patenschafts-Tandems. So profitieren zum Beispiel auch junge Menschen, deren Eltern sie nur wenig in der Schule unterstützen können.

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Initiiert werden diese “Chancenpatenschaften” im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Stiftung Bildung spricht dabei sowohl die Altersgruppe der Kinder als auch Jugendliche an. Als einzige von 23 Organisationen, die am Programm teilnehmen, erreicht sie das durch ihre besondere Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen. Über das Bundesprogramm hinaus möchte sie daher Patenschaften von Kind zu Kind mit Hilfe von Spenden ausbauen.

„Sie hilft mir in Deutsch, ich ihr in Mathe.“

Patenschaft Kind zu Kind: Richard und Pylyp (c) Regionale Schule Jarmen

Richard und Pylyp (c) Regionale Schule Jarmen

„Diese Hilfe unter Gleichaltrigen ist sehr niedrigschwellig“, so Hintze. Deutsch lernen – für viele Tandems steht das oben auf der Liste. Bei gemeinsamen Schularbeiten passiert es fast von selbst. Oder bei Hobbys. Richard und Pylyp etwa gehen zusammen angeln, und „oft besuchen wir uns zu Hause“. Dann spielen sie Computer oder Karten und gucken Fernsehen. Dabei lernen beide Seiten. Ein anderer Junge erzählt ganz ähnlich von seiner Patin: „Sie hilft mir in Deutsch, ich ihr in Mathe“.

Gemeinsam als Gruppe

Patenschaft Kind zu Kind: Zhulvens Tanz-AG (c) Gustav-Langenscheidt Schule

Zhulvens Tanz-AG (c) Gustav-Langenscheidt Schule

Ein Highlight für alle Patenschaften von Kind zu Kind sind Gruppenausflüge oder Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag in der Schule. Der Junge Zhulven kann so in Deutschland seiner Leidenschaft nachgehen und ist mit der Tanz-AG der Schule aufgetreten: „Es war, als würde an diesem Tag ein Traum wahr werden“. Das schweißt zusammen. „Wir alle sind weit mehr als Freundinnen und Freunde geworden“, schwärmt die Teilnehmerin einer anderen Arbeitsgemeinschaft.

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Kulturell „fast reibungslos“

Übungsmaterialien zum Deutschlernen (c) Bismarckschule Elmshorn

Lernmaterial (c) Bismarckschule Elmshorn

Auf andere Art begeistern kann Erzählen und Diskutieren zum Deutschlernen, sogar montags in der siebten Stunde. „Im Laufe der Monate meldeten sich immer mehr Schülerinnen und Schüler“, sagt Lehrerin Katja Förster. Gut klar kämen mit den kulturellen Unterschieden alle. Sogar bei Jungen und Mädchen gehe das „fast reibungslos“.

Ein Fest für alle Patenschaften von Kind zu Kind

Ansteckend wirken die Patenschaften von Kind zu Kind nicht zuletzt in ihrem Umfeld. Freundeskreise vermischen sich, Eltern lernen sich kennen – etwa bei Schulfesten. Die sind zudem „eine besondere Anerkennung für die Kinder, die sich mit viel Engagement für das Miteinander einsetzen“, sagt eine Schulsozialarbeiterin.

Mit wenig Geld viel bewegen

Geld braucht es für die Patenschaft nicht viel. Doch schon eine Theaterkarte kostet. Für viele Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung ist das schwierig. „Jedes Paar bekommt daher finanzielle Mittel für solche Ausgaben“, sagt Katja Hintze, Vorsitzende der Stiftung Bildung. Damit sei Besonderes möglich, und „gerade das sind oft die besten Erlebnisse, die uns prägen“.

Erfolgsgeschichten

Laufend Neues zu Chancenpatenschaften finden Sie hier:

Spielraum für Patenschaften von Kind zu Kind

Kinder-Stadtführer (c) Grundschule Greif

Kinder-Stadtführer (c) Grundschule Greif

Ein größeres Budget erhalten die Kindergärten und Schulen. Damit finanzieren sie nicht nur Feste und Ausflüge für Patenschaften. Viele Kinder und Jugendlichen starten richtige Projekte wie einen Stadtführer für Mitschüler*innen mit Fluchterfahrung.

Durch das Patenschaftsbudget lässt sich so einiges bewegen. Und nicht zuletzt mit Hilfe von vielen Erwachsenen, die die Patenschaften von Kind zu Kind in ihrer Freizeit betreuen. „Neben den jungen Menschen sind sie unsere großen Heldinnen und Helden der Patenschaften“, sagt Hintze.

Hintergrund zum Patenschaftsprogramm

Die Stiftung Bildung nimmt seit dem Start 2016 am Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ teil und hat zunächst über 5.000 Patenschaften zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrungen bundesweit gestiftet und unterstützt. 2018 wurde das Programm unter dem Motto “Chancenpatenschaften” für junge Menschen mit unterschiedlichen Teilhabechancen ausgeweitet.

Logo des Chancenpatenschaftsprogramms der Stiftung BildungAn die bisherige Arbeit lasse sich dabei gut anknüpfen, sagt Stiftungsvorsitzende Hintze. Die Stiftung Bildung hat dazu in acht weiteren Bundesländern Teams aufgebaut. Allein 2018 konnten sie so über 2.200 Chancenpatenschaften an rund 70 Bildungsstandorten mit Kindern und Jugendlichen initiieren. Mit Hilfe von Spenden will sie das Programm über die staatliche Förderung hinaus ausweiten.

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