Plastikfrei in der Schule

Fünf Umwelt-Tipps zum Schulanfang

Ab August kommen in Deutschland über 700.000 Kinder in die Schule – und viele machen sich bereits Gedanken über die Zukunft unserer Umwelt. Umweltpädagogin Andrea Oppacher-Friedrich zeigt Kindern, was sie selbst für den Umweltschutz tun können und so mit ihren Sorgen nicht alleine bleiben.

Wie zum Bespiel beim Projekt “Plastikfrei in die Schule” in der Grundschule an den Römersteinen in Mainz. Unterstützt von der spendenfinanzierten Stiftung Bildung haben dort Zweitklässler*innen ein Faltblatt für Eltern und andere Kinder entwickelt. Das Ziel: Ihre Schule soll plastikfrei werden. Im Interview gibt Andrea Oppacher-Friedrich Tipps, wo Eltern und Schulen selbst zur Plastikvermeidung beitragen und Kinder so unterstützen können.

Tipp 1: Mit gutem Beispiel vorangehen

Stiftung Bildung: Andrea Oppacher-Friedrich, wann ist das richtige Alter Kinder zum Thema Müll und Plastik zu sensibilisieren?

Marienkäfer

Pixnio / CC0

Oppacher-Friedrich: Die Kinder können schon als ganz Kleine zu diesem Thema sensibilisiert werden. Man kann hier vor allem hinsichtlich des Abfalls mit gutem Beispiel vorangehen und auch kleinen Kindern immer alles anschaulich erklären, da sie eine angeborene Neugierde haben. Beispielhaft für negative Auswirkungen können besonders gut Tiere herangezogen werden: Welcher Käfer fühlt sich schon auf Müllbergen anstelle von Blumenwiesen wohl?

Tipp 2: Experimente machen

Stiftung Bildung: Was genau können Eltern den Kindern zum Thema Müll und Plastik erzählen?

Oppacher-Friedrich: Man kann man mit den Kindern besprechen, was mit Abfällen in der Natur passiert. Und dazu vielleicht auch ein Experiment durchführen, zum Beispiel einen Regenwurmschaukasten bauen oder einen Kompost anlegen. So erkennen auch sehr junge Kinder, dass in der Tier- und Pflanzenwelt alles weiterverarbeitet wird und keine überflüssigen Abfälle entstehen.

Komposthaufen mit Rhabarber

Wikimedia / Michael Voss (CC BY-SA 3.0)

Ältere Kinder ab der Grundschule verstehen schon sehr gut, wie und woraus Plastik hergestellt wird und warum dieser Stoff so problematisch für unsere Umwelt ist. Nicht zuletzt ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Erde für unsere Nachkommen noch bewohnbar sein sollte. Und dass auch andere Menschen auf der Erde gut leben wollen und nicht durch unseren Wohlstandsmüll leiden sollen.

Tipp 3: Müllfreies Frühstück

Stiftung Bildung: Was können Eltern beim Schulranzen und Pausenbrot beachten?

Oppacher-Friedrich: Schon beim täglichen Bestücken des Schulranzens mit Proviant kann auf ein müllfreies Frühstück geachtet werden. Zum Beispiel keine Getränke im Tetra-Pak, keine einzeln verpackten Riegel oder Würstchen, Müsli-Riegel und Kekse selber backen. Bei der Auswahl des Schulmaterials sollte auf folgende Kriterien geachtet werden: Hefte und Blöcke sollten unbedingt aus Recycling-Papier bestehen und zum Beispiel den Blauen Engel aufweisen. Anstelle von Filzstiften sollten lieber Stifte aus unlackiertem Holz gekauft werden. Auch das Lineal kann aus Holz bestehen und bei dem Tuschekasten gibt es die Alternative mit austauschbaren Farbtöpfen.

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Generell sollte man überflüssige Objekte wie Radiergummis mit Halterungen, aufwendige und voluminöse Stifte und Spitzer vermeiden. Sinnvoll wäre es auch, gleich die Schultüte mit nachhaltigen kleinen Geschenken auszustatten: Buntstifte aus unlackiertem Holz, Stifteverlängerer, vielleicht eine Brotdose aus Metall und eine Trinkflasche aus Edelstahl. Oder fair gehandelte Schokolade, eine Tüte selbst gemachtes Popcorn, Radiergummi aus Kautschuk, ein selbst genähter Turnbeutel oder ein selbst hergestellter kleiner „Sorgenfresser“.

Tipp 4: Müll vermeiden und trennen

Stiftung Bildung: Was können Schulen beitragen?

Kinder sammeln Müll

Flikr / Sabine Hoffmann (CC BY 2.0)

Oppacher-Friedrich: In den Schulen wäre eine konsequente Müllvermeidung und Mülltrennung eine sehr gute Umwelterziehung. Mit den organischen Abfällen könnte ein Kompost angelegt werden. Auch die Gestaltung der Grünflächen, also ein Lebensraumangebot für Tiere und Pflanzen zu schaffen, ist für Schulen je nach Möglichkeit ein interessantes und sinnvolles Aktionsfeld. Eine Teilnahme der Schulen an den vielerorts organisierten Müllsammel-Tagen und -Wochen erfüllt eine gute Vorbildfunktion und weckt das Verantwortungsbewusstsein aller Kinder.

Tipp 5: Plastikfreie Schule werden

Stiftung Bildung: Haben sie schöne Beispiele, wo das funktioniert?

Oppacher-Friedrich: Die Grundschule an den Römersteinen in Mainz-Zahlbach hat hier schon vorbildliche Arbeit geleistet: Seit zwei Jahren nimmt die Schule an der Mainzer Dreck-weg-Woche teil und sammelt mit allen Klassen eine ganze Woche lang Müll. Das müllfreie Frühstück wurde eingeführt und damit die Mülltrennung umgesetzt werden kann, gibt es Mülldienste in den Klassen. Nicht zuletzt wurden dieses Jahr dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung Bildung und Röchling Stiftung in allen Klassen Unterrichtseinheiten zum Thema Müll und Plastikmüll durchgeführt.

Mehr zur Grundschule an den Römersteinen: Müllfreie Schule – Diese Kinder wollen die Welt retten.

Andrea Oppacher-Friedrich ist Diplom-Geographin, Geoökologin und Umwelt-Pädagogin. Sie ist verheiratet mit zwei Kindern und lebt in Rheinland-Pfalz. Sie ist zu erreichen über ihre Interneitseit wissensmücke.de.

Titelfoto: Pexels / Sebastian Voortman

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