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Stellungnahme von Erzieher*innen, Lehrer*innen, Pädagog*innen und Ehrenamtlichen im Bildungsbereich zu den Schüler*innen-Protesten für mehr Klimaschutz und zu den Stellungnahmen von Wissenschaftler* innen und Eltern 14.05.2019

Stellungnahme mit den Namen der Erst­unter­zeichnenden (PDF-Datei)

Seit Dezember 2018 demonstrieren in Deutschland junge Menschen für ambitionierten Klimaschutz und drücken ihre Sorge darüber aus, dass ihre Zukunft existentiell gefährdet ist. Die älteren Generationen werden in die Verantwortung genommen dafür, in welchem Zustand sie den Planeten den jüngeren Generationen übergeben. Der dringende Appell der jungen Menschen an die jetzigen Entscheidungsträger*innen, mehr für Klimaschutz und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zu tun, um eine unumkehrbare Klimakatastrophe noch zu verhindern, wird von mittlerweile über 27.000 Wissenschaftler*innen unterstützt und stützt sich auf gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse.

Als Erzieher*innen, Lehrer*innen, Pädagog*innen und ehrenamtlich Tätige erklären wir unsere Unterstützung für diese Forderungen.

Wir unterstützen nachdrücklich die Kernforderung der Bewegung Fridays for Future:

Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und des 1,5°C-Ziels sowie die Forderungen für Deutschland:

  • Nettonull Treibhausgasemissionen in 2035 erreichen
  • Kohleausstieg bis 2030
  • 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035

Entscheidend für die Einhaltung des 1,5°C-Ziels ist, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren. Deshalb fordern wir bis Ende 2019:

  • Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger
  • 1/4 der Kohlekraftwerks-Kapazitäten abschalten
  • Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut UBA sind das 180 € pro Tonne CO2.

Die Verwirklichung dieser Forderungen muss sozial verträglich gestaltet werden und darf keinesfalls einseitig zu Lasten von Menschen mit geringem Einkommen gehen.

Wir sind oder waren im Bildungs- und Erziehungsbereich für die nachfolgenden Generationen tätig. Jeden Tag investieren wir Kraft und Liebe, damit junge Menschen einen guten Start in ihr Leben und bestmögliche Voraussetzungen für ein glückliches, zufriedenes, gesundes, sinnerfülltes und erfolgreiches Leben haben. Gleichzeitig erreichen uns fast täglich Meldungen über die – auch in Deutschland – bereits spürbaren Folgen der Klimakrise – sowie Prognosen für eine dramatische Verschärfung in der nahen Zukunft.

Wenn wir, die älteren Generationen, unser Handeln nicht ändern, wird das Leben unserer Kinder und Enkelkinder sowie nachfolgender Generationen stark beeinträchtigt bis unmöglich werden. Hitzewellen, Dürren und damit verbundene Lebensmittelknappheit, extreme Überschwemmungen, Massenmigration und das Aussterben wichtiger Tier- und Pflanzenarten sind nur wenige Beispiele für die akute Bedrohung des Lebens auf der Erde. Die heutigen Kinder und Jugendlichen und die, die in den nächsten Jahren erst geboren werden, haben die Krise nicht verursacht, werden aber von ihr existentiell betroffen sein.

Wir als Erzieher*innen, Lehrer*innen, Pädagog*innen und Ehrenamtliche im Bildungsbereich nehmen unsere Verantwortung wahr, im Namen der heutigen und künftigen Menschen auf dieser Erde auf die Folgen unzureichenden Handelns hinzuweisen. Wir schließen uns der Forderung der jungen Menschen und der Klima-Forscher*innen an und sagen: Unsere Gesellschaft muss sich ohne weiteres Zögern auf Nachhaltigkeit ausrichten.

Die in den Bildungsverordnungen verankerte Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat als Grundlage die Verbindung von Menschenwürde, Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und Gerechtigkeit hinsichtlich der Lebenschancen für heute lebende Menschen und für zukünftige Generationen (Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege 2014). Gelingende BNE bedarf aber veränderter struktureller Rahmenbedingungen und breiter Unterstützung, ohne die ein konsequenter Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft nicht möglich ist. Vor allem aber wird sie von den Kindern und Jugendlichen zu Recht als unglaubwürdig empfunden, wenn sie andere Ziele und Werte vermittelt, als sie in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vorgelebt werden. Wir fordern, dass jetzt schnell gehandelt wird, um diesen Wandel einzuleiten und eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Wir fordern von den politischen Entscheidungsträger*innen JETZT entsprechend ihrer Verantwortung und ihrer Verpflichtung als Volksvertreter*innen, für eine lebenswerte Zukunft heutiger und kommender Generationen zu handeln.

Diese Stellungnahme wurde zuerst auf paedagogenforfuture.org veröffentlicht.

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