Erdkinderplan- Außerschulischer Lernort

Im Dezember 2011 hat die Montessori-Schule-Dietramszell ein ehemaliges Cafe angemietet, in dem neun bis zehn Schülerinnen und Schüler der achten und siebten Jahrgangsstufe zusammen mit zwei Erziehern für sechs Wochen leben sollten. Die Schüler gestalteten ihren eigenen Tagesablauf, stellten sogar ihre Betten und ihr Geschirr selbst her und kamen nur an den Wochenenden nach Hause. Dieses Projekt hat die Schüler so positiv beeinflusst, dass es nun in einem eigenen Haus auf dem Land regelmäßig durchgeführt werden soll.

In dem sogenannten Erdkinderhaus in Chiemgau sollen Kinder zwischen zwölf und vierzehn Jahren außerhalb der Schule beim Leben fürs Leben lernen. Die Schüler gestalten ihren Tagesablauf selbst, lernen ihre Talente kennen und werden dabei von einem Lehrer und einem Betreuer begleitet. Lehrinhalte werden, wenn möglich, passend eingebracht und praktisch angewandt. Während des Projekts lernen die Kinder nachhaltig zu wirtschaften, ein Gefühl für ihren ökologischen Fußabdruck zu entwickeln. Dabei haben sie auch die Gelegenheit, über den Sinn ihres Lebens nachzudenken.

Sie versorgen sich selbst, pflanzen beispielsweise Obst und Gemüse an, musizieren und spielen Theater. Darüber hinaus kommen sie auch mit der Arbeitswelt in Berührung. So bewirten sie etwa in dem Landhaus Gäste und engagieren sich in der Umgebung, beispielsweise in Pflegeheimen oder auch in der Landwirtschaft. Somit werden nicht nur erste Berufserfahrungen gesammelt, sondern auch Kontakte mit Menschen in der Umgebung geknüpft. Die Schüler kommen innerhalb der sechs Wochen außerdem mit verschiedenen Kulturen in Berührung und lernen diese kennen, indem sie sich auf Englisch verständigen.

Nachdem die Kinder am Montag in dem Erdkinderhaus ankommen, belegen sie ihre Gruppenzimmer und besprechen anschließend die Pläne für die nächsten Wochen. Sie legen Regeln fest, nach denen gelebt werden soll, verteilen die anfallenden Aufgaben und einigen sich, welche Projekte gemeinsam umgesetzt werden. Daraufhin wird überlegt was und wer für die geplanten Projekte benötigt wird; auch ein grober Zeitplan wird erstellt. Am Ende jeder Woche werden in einer Feedback-Runde die Ergebnisse besprochen, Verbesserungsvorschläge eingebracht und die Ziele der nächsten Woche festgelegt.

Die Schüler gestalten die gemeinsame Zeit selbst, sind aber schon vorher an dem Projekt beteiligt. In der Schule werden Ideen für Projekte, die in dem Landhaus und auf dem sechs Hektar großen Grundstück umgesetzt werden können, gesammelt. Auch in Bewerbungsgesprächen für die Stelle des Betreuers, der die Kinder neben dem Lehrer begleitet, sind fünf Schüler anwesend und treffen anschließend gemeinsam mit den zuständigen Erwachsenen eine Entscheidung.

Die Ergebnisse des Projekts haben die Erwartungen bei weitem übertroffen. Die Schüler waren geistig und körperlich sichtlich gestärkt und wurden von den Eltern als sehr ausgeglichen beschrieben. Auch die Kinder waren begeistert und beschrieben die gemeinsame Zeit als die beste Schulzeit, während der sie am meisten gelernt hätten.

Das Projekt wurde finanziell unter anderem durch zwei Großspender und die Privatdarlehen mehrerer Eltern ermöglicht. Durch die häufige Anwesenheit bei dem Netzwerk Schule und Sozialarbeit im Landkreis Bad Tölz, sowie durch die Netzwerke engagierter Eltern können neue Kontakte geknüpft werden. Der Schulförderverein kaufte das Landhaus, stellt den zusätzlichen Erzieher ein und sichert durch die Vermietung des Hauses den langfristigen Bestand des Projekts. Der Montessori Förderverein Erdkinderplan e.V. wurde 2012 gegründet und hat 60 Mitglieder, die sich aus Eltern, Lehrern und externen Mitgliedern zusammensetzten.

Die Montessori-Schule-Dietramszell ist eine Grund- und Mittelschule, die etwa 290 Kinder von der ersten bis zur zehnten Jahrgangsstufe auf ihrem Lernweg begleitet. Die Schule befindet sich im Kloster Dietramszell und bietet allen Schülern die Möglichkeit, die offenen Ganztagsangebote zu nutzen. In den Jahrgangsgemischten Lerngruppen verstehen sich die Lehrer als Lernbegleiter der Schüler und versuchen die Schüler nach dem Motto „Hilf mir selbst es zu tun“ individuell zu fördern. Ziel der Schule ist es die Schüler auch mit Hilfe von Praktika in der fünften Klasse, einem Verantwortungsprojekt und einer Herausforderungswoche zu eigenständigen, kritischen Menschen zu erziehen.

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